Manchmal sitze ich morgens mit meiner Tasse Tee am Küchentisch und denke mir:
Irgendetwas ist heute anders.
Nicht schlimm. Kein Drama. Keine Sirenen.
Aber irgendwie…
ein bisschen müde im Kopf.
Nicht ganz bei mir.
Ein wenig unruhig, obwohl draussen die Vögel singen und Hektor schon zufrieden in der Sonne liegt wie ein alter Teppich mit Ohren.
Früher hätte man vermutlich gesagt:
„Du brauchst ein paar ruhige Tage.“

Heute bekommt man stattdessen unvermittelt einen Newsletter. Darin steht dann, wie wichtig es sei, auf die „leisen Zeichen des Körpers“ zu hören:
- Erschöpfung.
- Innere Unruhe.
- Wenig Belastbarkeit.
- Das Gefühl, nicht ganz bei sich zu sein.
Und kaum hat man dreimal genickt, kommt plötzlich ein Spezialtest mit elf Fettsäuren um die Ecke.
Ein kleiner Pieks in den Finger.
Ein paar Tropfen Blut.
Und schon weiss man angeblich, warum man sich fühlt wie ein nasser Waschlappen mit WLAN.
Versteht mich nicht falsch:
Solche Tests gibt es tatsächlich. Die sind nicht einfach aus einem Zauberhut gefallen.
Man kann heute erstaunlich vieles messen.
Aber manchmal frage ich mich schon, ob wir Menschen nicht langsam Gefahr laufen, jeden normalen Durchhänger sofort als biochemische Krise zu betrachten.
Denn ehrlich gesagt:
Das Leben macht gelegentlich müde.
Wer schlecht schläft, ständig aufs Handy schaut, zu viel grübelt, zu wenig rausgeht, nebenbei noch Nachrichten konsumiert und sich von morgens bis abends optimieren soll…
der fühlt sich irgendwann tatsächlich „nicht ganz bei sich“.
Dafür braucht es nicht immer gleich elf Fettsäuren und eine Hochglanz-Auswertung.
Früher gab es bei uns übrigens auch schon Omega-3.
Es hiess einfach: Hering.
Oder Lebertran.
Wobei Letzteres eher unter „familiäre Traumatisierung“ lief.
Und trotzdem überlebten erstaunlich viele Menschen bis ins Erwachsenenalter.
Heute dagegen klingt Gesundheit manchmal wie der Wartungsplan eines Hybridautos:
Mitochondrien hier.
Darmflora dort.
Cortisol im Sinkflug.
Omega-6 in Schieflage.
Und irgendwo sitzt ein Coach und erklärt dir, dass dein Körper „dir etwas sagen möchte“.
Dabei sagt der Körper oft ganz einfache Dinge.
Er sagt:
- Schlaf mal wieder richtig.
- Geh an die Sonne.
- Iss etwas Vernünftiges.
- Beweg dich.
- Trink Wasser.
- Rede mit Menschen, die dir guttun.
- Und lass dieses verdammte Handy auch mal liegen.
Das klingt natürlich viel weniger spektakulär als ein Spezialtest mit Farbgrafik.
Aber manchmal liegt genau dort die Wahrheit.
Und manchmal braucht der Körper tatsächlich Magnesium.
Manchmal Ferien.
Manchmal weniger Handy.
Und manchmal einfach drei Tage ohne Menschen, die einem noch etwas verkaufen wollen.
Hättest du’s gewusst?
Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sind beide wichtig für den Körper. Problematisch wird es meist nicht durch „zu wenig Wunderkapseln“, sondern eher durch eine dauerhaft einseitige Ernährung mit vielen stark verarbeiteten Lebensmitteln. Schon einfache Dinge wie regelmässig Fisch, Nüsse oder hochwertige Pflanzenöle können oft mehr bewirken als man denkt.