Ich gebe es zu: Es gibt Lebewesen, bei denen fällt mir die Nächstenliebe schwer.
Der Schmetterling? Kein Problem.
Die Hummel? Willkommen im Garten.
Der Igel? Bekommt von Hektor sogar respektvollen Abstand.
Aber die Zecke?

Da stehe ich mit der Pinzette in der Hand und mein Mitgefühl hält sich in überschaubaren Grenzen.
„Die hat doch wirklich niemand bestellt“, murmelte ich neulich, als ich wieder einmal so ein kleines achtbeiniges Pünktchen aus Hektors Fell fischte.
Hektor schaute mich an, als wollte er sagen:
„Falls du eine Unterschriftensammlung gegen Zecken startest – meine Pfote hast du.“
Aber dann kam diese gefährliche Sache, die einem manchmal den Tag kompliziert macht: die Neugier.
Warum gibt es Zecken überhaupt?
Und tatsächlich: Auch die Zecke ist nicht einfach ein Betriebsunfall der Natur.
Sie ist Nahrung für andere Tiere. Ameisen, Spinnen, Käfer und manche Vögel nehmen so einen kleinen Blutsauger durchaus als Zwischenmahlzeit.
Hättest du’s gewusst?
Auch Zecken haben Feinde.
Obwohl sie uns oft wie kleine unbesiegbare Überlebenskünstler vorkommen, stehen auch sie auf dem Speiseplan anderer Lebewesen.
🐜 Ameisen
gehören zu den wichtigsten natürlichen Gegenspielern. Sie finden Zecken vor allem dort, wo diese die meiste Zeit verbringen: am Boden, im Laub und zwischen Pflanzen.
🕷️ Spinnen und räuberische Käfer
machen keinen grossen Unterschied zwischen „beliebt“ und „unbeliebt“. Was klein ist, Beine hat und erwischt wird, kann Beute werden.
🐦 Vögel
nehmen ebenfalls Zecken auf – manche suchen sie sogar direkt von grösseren Tieren ab.
🍄 Winzige Pilze und Parasiten
erinnern uns daran: Selbst ein Parasit kann wieder seine eigenen kleinen Plagegeister haben.
Die Natur kennt eben keine Hauptrollen und Nebenrollen.
Nur Rollen.
(Und Hektor meint: „Meine Rolle ist trotzdem, keine Zecken zu beherbergen.“)
Zugegeben: Kein Vogel wacht morgens auf und ruft begeistert:
„Heute hätte ich Lust auf ein schönes Zeckenmenü!“
Aber in der Natur zählt jedes kleine Stückchen Energie.
Zecken sind ausserdem Teil eines uralten Spiels zwischen Parasiten und ihren Wirten. Seit Millionen von Jahren lernen Tiere, sich zu schützen – und Parasiten lernen, trotzdem irgendwie durchzukommen. Es ist ein Wettlauf, den keiner so richtig gewinnt.
Sympathischer macht sie das natürlich nicht.
Eine Zecke kann Krankheiten übertragen. Darum gehört sie bei Mensch und Tier möglichst schnell und sauber entfernt. Naturverständnis bedeutet nicht, dass man alles auf sich herumkrabbeln lassen muss.
Ich respektiere auch Brennnesseln.
Trotzdem setze ich mich nicht freiwillig hinein.
Am Ende bleibt die Zecke vielleicht ein kleines Lehrstück der Natur:
Nicht alles, was existiert, muss uns gefallen.
Manches erinnert uns einfach daran, dass die Welt nicht nur für uns gemacht wurde.
Und Hektor?
Der hat eine etwas einfachere Philosophie:
„Zecken dürfen gerne ihren Platz in der Natur haben. Aber nicht in meinem Pelz.“
Da sind wir uns einig.
Euer Onkel Friedrich