Tagebuch

Aktuelles…und Auszüge aus meinen Memoiren

1. Oktober 2026
Zehn Jahre unter Beton?
Moment mal …
Manchmal les‘ich eine Geschichte und denke: Das kann doch eigentlich nicht wahr sein.
So auch diese:
In Brasilien soll ein Arbeiter einen zehn Jahre alten Betonboden aufgebrochen haben – und darunter soll er eine lebende Schildkröte gefunden haben. Zehn Jahre Dunkelheit, kaum Nahrung, kaum Wasser. Überlebt habe sie angeblich dank „Brumation“, einer Art Winterruhe für Reptilien.
Klingt sensationell, gell?
Vielleicht ein bisschen zu sensationell?
Denn für genau diese Geschichte findet sich keine überzeugende zeitgenössische Quelle. Dafür gibt es eine andere brasilianische Schildkrötengeschichte – und die ist tatsächlich belegt.
Die echte Manuela
1982 verschwand bei der Familie Almeida in Rio de Janeiro die Köhlerschildkröte Manuela. Damals wurde am Haus gearbeitet. Eine Tür stand offen und die Familie nahm an, Manuela sei ausgebüxt.
30 Jahre später, im Januar 2013, wurde nach dem Tod des Vaters ein seit Jahren vollgestellter Lagerraum entrümpelt.
In einer Kiste mit einem alten Plattenspieler sass – Manuela. Lebendig. 
Wie sie dort so lange überleben konnte, wusste niemand mit Sicherheit. Der brasilianische Tierarzt Jeferson Pires erklärte damals, Köhlerschildkröten seien ausgesprochen widerstandsfähig und könnten zwei bis drei Jahre ohne Nahrung überstehen. Vermutet wurde, dass Manuela im Lagerraum Termiten und andere Insekten fand. 
Und die Mär vom Beton?
Genau da wird Hektor misstrauisch. 🐕
Die Geschichte von der zehn Jahre unter einem versiegelten Betonboden eingeschlossenen Schildkröte kursiert heute im Internet. Eine belastbare Quelle für diesen angeblichen Fund lässt sich jedoch nicht finden.
Und „Brumation“ erklärt ihn auch nicht einfach weg. Reptilien können ihren Stoffwechsel bei niedrigen Temperaturen stark reduzieren. Daraus folgt aber nicht, dass eine Schildkröte zehn Jahre lang ohne ausreichende Versorgung in einem abgeschlossenen Hohlraum überleben kann.
Interessanterweise liefert die Geschichte selbst schon ihren eigenen Widerspruch: Wenn Feuchtigkeit und Insekten zur Schildkröte gelangen konnten, war sie eben nicht hermetisch im Beton eingeschlossen.
Ich denke
Die Wahrheit hatte 30 Jahre, Termiten und einen Plattenspieler.
Das Internet machte daraus zehn Jahre Beton.
Und Hektor?
Der schnüffelt einmal am Beton, schaut Friedrich an und denkt sich vermutlich:
Die Schildkröte glaube ich.
Den Rest nicht.

25. September 2026
Die verdächtige 🍋 Zitrone aus Peru
Manchmal braucht es nicht viel für einen kleinen Skandal.
Eine Zitrone zum Beispiel. Bio-Zitrone sogar.
Und dann steht da auf dem Etikett:

Ursprung: Peru.
Schale zum Verzehr geeignet.
Nicht-EU-Landwirtschaft.

Aha!
Da kann man natürlich misstrauisch werden. Bio – aber aus Peru? Und dann auch noch „Nicht-EU-Landwirtschaft“?
Hektor hätte vermutlich erst einmal daran geschnuppert. Ich habe gelesen. Und siehe da: Der vermeintliche Widerspruch ist gar keiner.
„Nicht-EU-Landwirtschaft“ bedeutet nämlich nicht: Das ist irgendwie nur so halb Bio. Es bedeutet zunächst einmal genau das, was dort steht: Die landwirtschaftlichen Zutaten wurden ausserhalb der Europäischen Union erzeugt. Bei einer Zitrone mit Herkunft Peru wäre die Angabe „EU-Landwirtschaft“ im Übrigen deutlich bemerkenswerter. Auch Lebensmittel aus Ländern ausserhalb der EU dürfen als Bio verkauft werden. Dafür müssen bei der Einfuhr die entsprechenden Bio-Vorschriften eingehalten werden.

Und die zweite verdächtige Zeile? „Schale zum Verzehr geeignet.“
Auch die ist keine Warnung, sondern eher eine erfreuliche Nachricht. Bei konventionellen Zitrusfrüchten kann die Schale nach der Ernte behandelt worden sein. Bei Bio-Zitrusfrüchten sind solche Nacherntebehandlungen stark eingeschränkt beziehungsweise die üblichen Konservierungsstoffe und Wachse nicht erlaubt. Das bedeutet allerdings nicht, dass eine Bio-Zitrone geradewegs vom paradiesischen Zitronenbaum in unseren Kuchenteig gefallen ist. Bio heisst nicht „völlig ohne Pflanzenschutz“. Auch im biologischen Anbau sind bestimmte Mittel zugelassen. Deshalb wird die Zitrone bei mir vor dem Abreiben der Schale weiterhin ordentlich gewaschen.

Was bleibt also von der grossen Zitronenwarnung?
Vor allem eine hübsche Erinnerung daran, wie schnell ein paar amtlich klingende Wörter verdächtig wirken können.

Ich sage euch, „Nicht-EU-Landwirtschaft“ heisst nicht: Vorsicht, falsches Bio.
Es heisst: Die Zitrone ist woanders gewachsen.
Und wenn auf einer Zitrone aus Peru „Nicht-EU-Landwirtschaft“ steht, würde ich mir erst Sorgen machen, wenn dort „EU-Landwirtschaft“ stünde.
Hektor übrigens nicht. Der wollte nur wissen, ob man Zitronenschale essen kann. Seit ich ihm erklärt habe, dass sie nicht nach Brekkies schmeckt, ist das Thema für ihn erledigt.

Manche Warnungen sollte man wirklich prüfen, bevor man sich vor ihnen fürchtet.

2. September 2026
Heute hat man mir gesagt, ich sei Boho.
Ich wusste zunächst nicht, ob ich mich freuen oder beim Arzt anrufen soll.
Dann habe ich nachgefragt.
Offenbar ist Boho, wer alte Dinge mag, natürliche Materialien bevorzugt, Pflanzen herumstehen hat, einen etwas eigenwilligen Kleidungsstil pflegt und nicht alles wegwirft, nur weil es schon einmal jemand benutzt hat.
Aha.
Früher hiess das bei uns einfach normal.
Meine Strickjacke ist also Boho.
Mein alter Stuhl vermutlich auch.
Der Strohhut sowieso.
Und Hektor?
Der liegt auf einem alten Teppich, frisst aus einer gebrauchten Schüssel und trägt sein Fell seit Jahren im selben Stil.
Wahrscheinlich ist der sogar noch mehr Boho als ich.
Randnotiz:
Manchmal erfindet die Welt ein neues Wort und verkauft einem damit das zurück, was man nie weggeworfen hat.

Bild KI. Inspiriert durch unbekannten Künstler.

27.08.2026 – 10.:27
Heute habe ich mir die Zukunft angesehen.
Sie ist erstaunlich praktisch.
Sie (die Zukunft) weiss, wo ich bin, was ich kaufe, wie ich bezahle, wohin ich fahre und vermutlich bald auch, warum. Sie liefert mir Pakete aus der Luft, bewässert den Salat aus der Wolke und verspricht, dabei selbstverständlich nachhaltig, biologisch, vernetzt und intelligent zu sein.
Manches davon ist sogar nützlich.
Das macht die Sache ja so raffiniert.
Denn jedes Mal, wenn ich frage, ob wir das alles wirklich brauchen, sagt jemand:

„Keine Sorge. Das dient alles nur Ihrer Bequemlichkeit.“

Früher musste man wenigstens noch aufstehen, um die Kontrolle über sein Leben zu verlieren.
Heute genügt ein Wisch. Auf dem Smartphone oder auf dem Tablet.
Hektor hat das Bild lange betrachtet. Dann hat er sich auf meinen linken Fuss gesetzt.
Ich glaube, er wollte mir damit sagen, dass es Dinge gibt, die auch ohne WLAN zuverlässig funktionieren.
P.S. Hektor verlangt für diese Dienstleistung ein Brekkie. Barzahlung.

26.07.2025 – 14:42
Auf dem Markt habe ich einen Kohlrabi gesehen, der sah aus wie mein alter Zeichenlehrer. Ich habe ihn nicht gekauft. Den Kohlrabi auch nicht. Aber ich habe mir einen Bund Dill gegönnt. Riecht nach Kindheit. Überlege jetzt, ob ich wieder mal Gurken einmache.

24. Mai 2025
Endlich wieder da! Die herrlich knusprigen UrDinkel-Flakes ohne Zuckerzusatz – genau das Richtige für einen frischen Start in den Tag. Wer sie einmal probiert hat, weiss: Da steckt Natur drin! Jetzt wieder erhältlich bei der Mühle Kofmel – im Mühleladen und Online.
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